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Ist es miteinander vereinbar Jesus zu verehren und Krishna zu verehren?

Warum nicht?
Es gibt keine Meinungsverschiedenheiten zwischen Vater und Sohn.
Das wirkliche Problem ist jedoch, dass einige der Lehren aus dem Neuen Testament keine Standardlehren spirituellen Wissens sind. Sie sind den Lehren von Jesus durch spätere Quellen künstlich aufgepfropft worden.
Scheinbar gab es eine Auseinandersetzung zwischen zwei Lagern, die beide auf der körperlichen Ebene waren und die beide unfähig waren, den transzendentalen Charakter der Botschaft Jesu wahrzunehmen.

Paul versuchte, wahrscheinlich so gut er konnte, Jesus zu verstehen. Dasselbe gilt für die Gruppe um Jakob, Peter und die anderen.

Paul hatte keine Skrupel, ein anderes Verständnis von Jesus zu predigen:
"Denn wenn jemand zu euch kommt und einen anderen Jesus predigt, als den Jesus, den wir predigten, oder wenn ihr einen anderen Geist empfangt als den, den ihr empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, als das, welches ihr angenommen habt, Ihr vertrüget's billig. Denn ich denke nicht weniger zu sein als diese "hohen" Apostel (d.h. Jakob, Peter und die anderen)." (2. Kor. 11, 4-5)
Folglich könnte das Christentum, wie wir es kennen, eine Abspaltung der ursprünglichen Jesus-Bewegung sein, die der angesehene zeitgenössische Experte Burton L. Mack als einen "Christuskult aus Nordsyrien und Kleinasien" beschreibt, dessen wortgewandter Vertreter Paul war.

Es scheint, als ob Jakob und seine Anhänger zu einem gewissen Grad allmählich in den Judaismus zurückfielen. So betete Jakob täglich im Tempel ("Er hatte die Gewohnheit den Tempel allein zu betreten, und wurde oft angetroffen wie er kniend um Vergebung für die Menschen bat, sodass seine Knie hart wurden wie die eines Kamels als eine Folge ihres ständigen Beugens in seiner Verehrung Gottes. " [Eusebius, Kirchengeschichte II. Kap. XXIII,5-7] ). In der Zwischenzeit gingen Paul und seine Anhänger ihren eigenen Weg mit ihrer Theologie der Erlösung durch das Kreuz und der Vorstellung vom sterbenden Gott - ein Konzept, das sie zum großen Teil aus der Vorstellungswelt der heidnischen Mysterienkulte des Mittelmeerraumes bezogen.
Besonders interessant in diesem Zusammenhang ist der Kult des Erlösergottes Mithra, der in ähnlicher Weise für die Sünden seiner Anhänger stirbt.
Mehr noch, bestimmte Parallelen zum Abendmahl sind nicht zu übersehen, wenn man bedenkt, dass diejenigen, die am Mahl zum Gedenken von Mithra teilnahmen, auch an seinem Tod und seiner Auferstehung teilhaben sollten.
Weiterhin ist bemerkenswert, dass Mithras Geburtstag ausgerechnet der 25. Dezember - Weihnachten - ist. Sogar der heilige Tag der Woche ist für die Anhänger Mithras' der Sonntag, da er der Sonnengott ist, während Jesus und seine Anhänger zweifellos den Sabbath hielten.
Die Mutterkirche in Jerusalem wurde durch den Fall von Jerusalem 70 AD vernichtet. Einige ihrer Anhänger flohen offenbar nach Trans-Jordanien (die berühmte Flucht nach Pella), und wurden später als die Ebioniten bekannt. Paul' Gedankengebäude war damit die Lehre, die überlebte.
Es ist aufschlußreich in diesem Zusammenhang, dass die Ebioniten, wie sie von Epiphanius von Costantia (AD 315 - 403) in seinem Panarion (Kap. 30) beschrieben werden, in Jesus nicht Gott, sondern ein vollkommenes, aber menschliches Wesen sahen. Sie glaubten, dass man kein Anhänger von Jesus sein könne, wenn man nicht das Essen von Fleisch aufgibt. Sie glaubten nicht, dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde. Und sie erklärten die Lehre des Paul zu Ketzerei und Paul selbst zum Abtrünnigen (der erste, der vom Glauben fiel).
Einige Gelehrte, wie z.B. Klausner, halten es für sehr gut möglich, dass die Lehren der ebionitischen Christen den Lehren des historischen Jesus näherkommen. "Jedoch war der Einfluss des jüdischen Christentums nicht absolut, trotz eines Jahrzehnts unangefochtener Vormachtstellung. Der Author des innovativen Dokuments, das wir heute als das Markus-Evangelium kennen, war unzweifelhaft inspiriert durch die Theologie des Paul."
S.G.F. Brandon schreibt: "Der Tod Jesu wird [in der Theologie Pauls] nicht als ein Unfall dargestellt, den man apologetisch durch Zitate aus dem Alten Testament erklären muss, sondern als ein Ereignis von universeller, erlösender Bedeutung, das von den berühmten Vertretern der jüdischen Apostel nicht verstanden werden konnte."
Und genau da fand die Abspaltung statt. Der Teil, der seine Theologie auf eine Person baute, die Jesus nie persönlich getroffen hatte, nämlich Paul, schlug eine andere Richtung ein: das ist das Christentum, wie wir es seit 2002 Jahren kennen.
Um auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen: Sollte man Jesus ablehnen?
Ganz und gar nicht. Wir bitten Sie nur, den historischen Jesus zu entdecken. Und der neueste Stand der Forschung wird Ihnen behilflich sein bei dem Bestreben, ein aufgeklärteres Verständnis von Jesus und seinen Lehren zu entwickeln.
Srila Prabhupada, der spirituelle Meister der Internationalen Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein sagte:
"Wenn jemand Krishna liebt, dann muss er auch Jesus lieben. Und wenn man Jesus auf vollkommene Weise liebt, dann muss man auch Krishna lieben. Wenn er sagt. ‚Warum sollte ich Krishna lieben? Ich liebe Jesus', dann hat er kein Wissen. Und wenn jemand sagt, Warum sollte ich Jesus lieben? Ich liebe Krishna', dann hat auch er kein Wissen. Wenn jemand Krishna versteht, dann versteht er auch Jesus. Wenn jemand Jesus versteht, dann wird er auch Krishna verstehen." (Gespräch mit Allen Ginsberg, 12. Mai 1969 / Columbus - Ohio)

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Zum Weiterlesen:

  1. Einleitung
  2. Wer war Jesus?
  3. Sind Jesus und Krishna eins?
  4. Ist es miteinander vereinbar Jesus zu verehren und Krishna zu verehren?
  5. Was ist der Unterschied zwischen Jesus und Krishna?
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© 2002 Prithu das Adhikary